Erfahrungsbericht Malta

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Praktikum in Malta vom 04.07.2021 – 31.07.2021 – Valerie Schmidt

Das Erasmus-Praktikum für Azubis generell ist wirklich zu empfehlen. Ihr bekommt so viel mehr, als ihr denkt! Die Erfahrung hat mich in vielerlei Hinsicht sehr bereichert und mir viele Dinge über mich selbst beigebracht. Was ich im Leben möchte, wo es beruflich hingehen soll. Und es hat mir auch mehr Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten gegeben. Ich glaube, das ist bei allen Auslandsaufenthalten, bei denen man in einem fremden Land mehr oder weniger auf sich alleine gestellt ist, der Fall. Besonders für Azubis sind die Stipendien sehr hoch, da sich nicht so viele Azubis wie Studenten bewerben.

Also ergreift bloß diese einzigartige Chance!

Mein Auslandspraktikum ging vom 04.07.2021 bis zum 31.07.2021, etwa einen Monat, nachdem ich meine Ausbildung als Kauffrau für Marketingkommunikation abgeschlossen hatte. Ja genau, mitten in der Corona-Zeit. Im Rückblick bin ich sehr dankbar, dass alles trotz nicht weniger Widrigkeiten in solch einer komplizierten Zeit geklappt hat. Eigentlich sollte es nach Irland gehen, aber dort hätten wir in Quarantäne gehen müssen, also wurde mir und zwei anderen Interessenten spontan Malta angeboten. Natürlich habe ich zugesagt, da ich einfach generell gerne eine Auslandserfahrung machen wollte. Es begann etwas düster damit, dass ich mir vier Tage vor Ausreise einen neuen Hinflug buchen musste, weil ich einen Zwischenstopp in London hatte (Direktflüge sind durch Corona unbezahlbar geworden) und Malta die Einreise von nicht vollständig Geimpften aus dem Vereinigten Königreich (selbst wenn es sich nur um Durchreisende handelt) wegen der Delta-Variante verboten hatte. Zum Glück habe ich noch einen halbwegs bezahlbaren Hinflug gefunden und beschlossen, meinen Optimismus nicht zu verlieren. Ich hatte dann auch ziemlich Glück, denn bei der Passkontrolle, wo auch der PCR-Test und die Einreisedokumente kontrolliert wurden, ist alles gut gelaufen. Etwa eine Woche später wurde die Einreise für nicht vollständig Geimpfte aus allen Ländern nach Malta gestoppt, das heißt, ich hatte tatsächlich sehr viel Glück.

Das Praktikum war von Anfang an ein Abenteuer, da ich nicht wusste, was auf mich zukam. Viele andere hätte das wahrscheinlich nach einer so anstrengenden Anreise (mit den tausend Kontrollen wegen Corona) genervt, aber für mich war das mal eine willkommene Abwechslung zum Alltag in Deutschland, wo alles durchorganisiert ist und man alle Geschehnisse bereits vorhersagen kann. Bereits am Flughafen wurde ich nämlich sofort mit der neuen Mentalität konfrontiert, als ich zum ESE-Schalter (die Erasmus-Partnerorganisation in Malta) geführt wurde und niemand wusste, wer mich abholt und zum Salini Resort (die Unterkunft für die Zeit meines Aufenthalts) bringt. Dann musste ich etwa eine Stunde warten, ohne zu wissen, wann der nächste Shuttle kam und ob der überhaupt der richtige ist. Alle anderen Wartenden schienen nämlich keine Erasmus-Praktikanten zu sein, sondern Sprachschüler aus Ungarn und Italien. Auch der Busfahrer schien nicht wirklich einen Schimmer zu haben, wo ich überhaupt hinmusste. Später klärte sich das dann auf, da ESE nicht nur eine Organisation ist, die mit Erasmus kooperiert, sondern mehrheitlich eine Sprachschule, die Sprachreisen in Malta organisiert. Die Fahrt mit dem Shuttle war eine echte Rumpelfahrt, allerdings habe ich das fast gar nicht gemerkt, weil ich die schöne Umgebung beobachtet habe und mich auf meine Zeit hier und das kommende Abenteuer gefreut habe. Im Salini angekommen (wer hätte das gedacht?) war ich dann erst mal überwältigt. Erasmus-Praktikanten werden in einem Vier-Sterne-Resort untergebracht? Ich war auf der Suche nach dem ESE-Office, wo ich hoffte, unseren Ansprechpartner Simon zu finden. Am Ende fand er mich, wie ich im ersten Stock herumirrte. Und die zweite Praktikantin, die ebenfalls aus Hamburg kam, aber in einer anderen Branche arbeiten würde, fand uns eine Minute später. Simon erklärte uns, dass alle anderen Unterkünfte und Gastfamilien voll wären, da wegen des Virus weniger Familien bereit seien, Personen aufzunehmen und wir daher das Glück hätten, im Salini Resort untergebracht zu werden, der drei Pools, ein Gym und einen Tennisplatz hatte. Allerdings hatten wir ein Self-Catering Apartment, mussten uns also selber verpflegen. Das Problem war nur: Es war 21 Uhr und alle Läden hatten bereits zu. Also brachen Selin (die andere Erasmus-Praktikantin, mit der ich mir ein Zimmer teilte) und ich auf, um in der Umgebung ein Kiosk zu finden. Gott sei Dank fanden wir eins, wo wir uns erst mal mit dem allernötigsten eindeckten. Die ersten vier Tage mussten wir zu meiner Überraschung gar nicht arbeiten, sondern Sprachkurse am ESE-Standort in St. Julians (etwa 15 Minuten von unserem Resort) belegen. Nach einem Einstufungstest wurden die anderen beiden Praktikanten aus Hamburg und ich in unterschiedliche Kurse gesteckt. Das war eine sehr interessante Erfahrung, da in den Kursen alle europäischen und teilweise auch internationale Nationalitäten vertreten waren. Allerdings waren die meisten Schüler deutlich jünger als wir, da sie einen Sprachaufenthalt gebucht hatten und wir Erasmus-Praktikanten waren, die eh nur für vier Tage da waren.

Daher freuten wir uns darauf, dass die Arbeit losging. Am Freitag war es dann so weit. Simon brachte mich zu meinem Unternehmen, das nicht weit vom Resort in einem Industriegebiet gelegen war, AppleCare Foods Ltd. Ich war etwas nervös, als Simon mich meinem Mentor Omar vorstellte, der allerdings sehr entspannt und nett wirkte. Simon ging den Vertrag mit Omar durch und ging dann. Daraufhin stellte Omar mich erst einmal allen Mitarbeitern vor. Ich hatte glücklicherweise auch eine Mitpraktikantin aus Italien, die Erasmus + für Schüler machte. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Unsere Aufgaben über die drei restlichen Wochen bestanden darin, die Produktbeschreibungen von der alten Website der Untermarken Apple4Pets und LiveLifeOutdoor in Word-Dokumenten zu sichern, damit diese für die neue Website genommen werden konnten. Klar gibt es spannendere Aufgaben, aber eigentlich war es ganz entspannt. Ich war die einzige Deutsche in dem Unternehmen und meistens haben die Mitarbeiter Maltesisch gesprochen. Ein paar Mitarbeiter waren auch aus Italien, daher wurde auch manchmal Italienisch gesprochen, da Malteser fast alle Italienisch lernen, seit sie klein sind. Das war zwar manchmal etwas frustrierend, weil man nichts verstanden hat und die Leute daran erinnern musste, Englisch zu reden, aber der internationale Flair hat mir trotzdem sehr gefallen und mich darin bestärkt, auch in der Zukunft im Ausland zu arbeiten. Sehr positiv war, dass man neben der Arbeit sehr viel Zeit hatte, um sich Malta anzusehen. Meine Mitpraktikanten aus Deutschland und ich haben uns regelmäßig tallinja-Buskarten gekauft, die jeweils für 7 Tage für unbegrenzte Strecken gültig waren. Wir haben uns zusammen Buggiba (eine Stadt etwa 10 Minuten nördlich von Salina Bay, wo unser Resort lag), Valletta und die Blue Grotto angesehen.

Meine Mitpraktikantin und ich haben am Strand in St. Julians (St. Georges Bay) sogar eine Portugiesin in unserem Alter kennengelernt, die mit zwei anderen Freundinnen für ein Jahr nach Malta gekommen ist, um hier zu arbeiten. Mit den dreien sind wir des Öfteren abends ausgegangen (ich sage nur: Paceville in St. Julians, die bekannteste Partymeile in Malta) und haben auch andere Dinge unternommen. Zum Beispiel sind wir einmal zusammen zum Strand bei der Golden Bay in Mellieha gegangen. Ich habe mir am Ende des Aufenthalts dann noch Comino (die kleine Insel zwischen Gozo und Malta) und die Blaue Lagune sowie Mdina (die alte Hauptstadt Maltas) angeguckt. Ich hätte gerne noch so viel mehr gesehen, da nicht nur die Nordküste Maltas sondern auch das Innenland (z.B. Mosta) wirklich lebhaft und schön war. Auf jeden Fall kann ich Malta als Zielland für ein Erasmus-Praktikum nur weiterempfehlen. Man bekommt die etwas südlichere Mentalität schon an einigen Punkten (wie z.B. Organisation und öffentliche Verkehrsmittel, die oft zu früh oder viel zu spät kommen) zu spüren, aber ich muss sagen, dass ich es in den meisten Fällen mal sehr erfrischend fand.

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