OPERN UND THEATER HAUTNAH ERLEBEN IN CORONAZEITEN

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(Praktikum an der Wiener Staatsoper: September 2020 bis Februar 2021) Sirilak Majaroen

Während meines Modedesign Studiums durfte ich viele Einblicke in die Modewelt gewinnen und so absolvierte ich ebenfalls ein Auslandspraktikum bei einem Londoner Modelabel. Aber mich hat auch gleichzeitig die Kostümbranche fasziniert, da diese durch Kurse wie „Kostümgeschichte“, ebenfalls ein maßgeblicher Bestandteil meines Studiums war. Deshalb war es mir besonders wichtig nach meinem Abschluss die Möglichkeit einer Auslandsmobilität zu nutzen. Trotz Corona durfte ich dann im September mein Praktikum bei „Art for Art“, die Kostümwerkstätten der Bundestheater in Wien, beginnen. Diese Kostümwerkstätten statten alle namenhaften Opern- und Theaterhäuser in ganz Österreich aus: von der Volksoper über das Burgtheater bis zur renommierten Wiener Staatsoper. Dadurch hat man einen umfangreichen Einblick in die gesamte Kostümbranche im Bereich Theater, Oper, Musical und Ballett. Die Kostümwerkstätten haben ihren Sitz mitten im Herzen von Wien, direkt neben der Wiener Staatsoper und bestechen durch ihre große Vielfalt an Werkstätten: es gibt die Herrenschneiderei, die Damenschneiderei, die Weißnäherei (hauptsächlich: Anfertigungen für Ballette, z.B. Trikots, historische Krausen, Hemden und feine Wäsche), die Schuhmacherei, die Modisten und die Kostümmalerei. In diesen Werkstätten lassen sich aller Art von Kreationen verwirklichen.

Meine erste Station im Praktikum war die Produktionsbetreuung. Dort habe ich bei der Betreuung von drei Staatsopern Produktionen mitgeholfen: Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“, Henzes „Das verratene Meer“ und Bizets „Carmen“. Zu meinen Aufgaben gehörten: bei allen Anproben der Sänger und Sängerinnen mithelfen und assistieren und vor allem das Protokollieren der Kostümänderungen, um diese an die jeweiligen Werkstätten weiterzuvermitteln. Außerdem das Organisieren von Kostümen aus dem firmeneigenen Kostümfundus, dem größten und bedeutendsten in ganz Europa. Ebenfalls zu meinen Hauptaufgaben zählte die Recherche von historischen Kostümteilen sowie von Stoffen und die Zusammenstellung einiger Kostüme.
In der zweiten Hälfte meines Praktikums durfte ich in den einzelnen Werkstätten meine bereits erlernten handwerklichen Fähigkeiten auf die Probe stellen. In den verschiedenen Ateliers erlernte ich die jeweiligen Handwerkstechniken und Verarbeitungen von Kostümen, indem ich Kostümteile für Anproben genäht habe und Kostüme repariert und abgeändert habe. Bei den Kostümmalern lernte ich außerdem die verschiedenen Färbetechniken kennen. Auf diese Art und Weise konnte ich meine Fähigkeiten und mein Wissen verbessern und um neue bereichern. Vor allem ist mir durch die Arbeit in den Werkstätten die Unterschiede in den Arbeitsabläufen in der Modebranche und in der Kostümbranche nochmals bewusst geworden.


Die Arbeit in den Kostümwerkstätten ermöglichte mir Einblick in die Arbeitsplanung und die Arbeitsabläufe in der Kostüm- und Theaterbranche – von der Begleitung der Kostümbildner bei der Konzeption und der Weiterentwicklung der Kostüme bis zur Teilnahme an den Endproben der Produktionen der Wiener Staatsoper. Durch das Praktikum lernte ich die Mitarbeit in einem größeren Team kennen und wurde vertrauter mit Aufgabenverteilung und Administration.
Ich war von Anfang an verliebt in meine Praktikumsstelle und habe mich sehr glücklich geschätzt diese Möglichkeit erhalten zu haben – vor allem in Anbetracht der derzeitigen Gesundheitslage. Trotz der Schließung aller Häuser ab November gingen die Proben und alle Vorbereitungen intern weiter, dadurch war es mir bis zum Ende möglich viele Produktionen hautnah auf der Bühne mitzuerleben. Aber auch die Stadt hat es mir mehr als angetan. Wien hat mich von der ersten Sekunde verzaubert: die wunderschöne Architektur, die durch ihre super hohen Gebäude besticht; die großen Plätze und Parkanlagen, die die Stadt mit Leben füllen und sie so großflächig machen; und die Geschichte der Stadt, die dem Lebensstil der Wiener etwas Kaiserliches und Kultiviertes verleiht.
Die Zeit verging leider viel zu schnell und ich wäre gerne länger geblieben, aber man sagt ja, dass man gehen muss, wenn es am Schönsten ist. Aber vielleicht ergibt sich in Zukunft nochmal die Gelegenheit in dieser schönen Stadt zu leben.

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