Praktikum im Krankenhaus in MERAN – Alpenblick vom Patientenzimmer aus

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(Ein Bericht von Miriam Bach)

Bereits bei meinem Bewerbungsgespräch für die Ausbildung wurde die Möglichkeit eines Auslandsaufenthaltes während der Ausbildung diskutiert. Schon immer habe ich Student:innen für die Möglichkeit eines Auslandssemesters beneidet, umso größer war meine Freude als ich erfahren habe, dass dies auch Auszubildenden ermöglicht werden kann. Natürlich nicht für sechs Monate, und die Auswahl der Orte für ein Praktikum in einem Krankenhaus war jetzt auch nicht überwältigend, aber ich war fest entschlossen diese Möglichkeit zu nutzen.  

Der Vertrag für den Auslandsaufenthalt wird zwischen den Teilnehmer:innen, „Arbeit und Leben Hamburg“ und dem Partner vor Ort geschlossen – doch zuallererst muss der Arbeitgeber einen freistellen. Da in der Pflege die Arbeitgeber für den 2. Ambulanten Einsatz oft den Auszubildenden freie Hand lassen, bietet sich dieser Zeitraum am besten dafür an. Von den Mitarbeiter:innen von „Arbeit und Leben Hamburg“ wurde ich nach der Zusage für das Programm bestens in der Organisation unterstützt. Gerade die Versicherungssituation sollte gut geklärt sein: die Berufshaftpflichtversicherung, über die ich bei meiner Klinik versichert war, griff zum Glück auch im Europäischen Ausland, ansonsten hätte ich mich noch darum bemühen müssen. Auch sollte die Situation mit der eigenen Krankenversicherung geklärt werden, oftmals übernehmen diese auch bei einem Auslandsaufenthalt von bis zu vier Wochen im europäischen Ausland, ansonsten kann man auch relativ unkompliziert eine Auslandskrankenversicherung abschließen.

In Meran, in Südtirol, habe ich eine passende Klinik für mein Praktikum gefunden. Da das Gebiet bilingual ist, spricht ein Großteil der Menschen dort deutsch, trotzdem hatte ich die Möglichkeit ein paar italienische Floskeln aufzugreifen. Was mich jedoch am meisten reizte waren Klima und Landschaft!

Mein Einsatz war im März, ich bin mit dem Zug angereist, was mir zunächst unendlich lang erschien. Im Nachhinein bin ich jedoch sehr froh darüber, denn der nächste Flughafen ist mind. 2h Zugstunden entfernt und somit die Reise doch etwa umständlich. So habe ich eine wunderbar entspannte Fahrt gehabt und konnte allmählich akklimatisieren und auf dem Weg dorthin außerdem die Landschaft Österreichs genießen beobachten.

Ein Zimmer hatte ich in einem Airbnb etwa 10km von der Klinik entfernt gefunden. So hatte ich beschlossen mein Fahrrad mitzunehmen, um unabhängig von den lokalen Bussen zu sein. Eine Mitbewohnerin von mir vor Ort war mit dem eigenen Auto angereist und ich muss zugeben, dass ein Auto auch ganz schön praktisch sein konnte – die 500 Höhenmeter zwischen Stadt und Unterkunft haben sich auf dem Weg nach Hause im Auto immer deutlich besser angefühlt. Wobei ich das zur Arbeit „rollen“ morgens auch nicht missen wollte: Während die Autos sich im Stau am Nadelöhr durch die Schlucht in die Stadt zwängten, konnte ich fröhlich vorbeisausen. Und hatte ich keine Lust auf das Fahrradfahren konnte ich mich auch gut damit anfreunden, zu Fuß an den blühenden Apfelbäumen zur Arbeit zu spazieren.

Die Arbeit selbst war sehr entspannt, die Arbeitsstunden pro Woche deutlich geringer als in Hamburg und die Arbeitsmoral so, dass die Mittagpause auch mal ein bisschen länger sein durfte. Von der Klinik habe ich jeden Mittag ein Essen spendiert bekommen, wobei ich wohl noch nie in meinem Leben so viel Mozzarella und Parmesan gegessen habe. Ich war dort in der Kinderambulanz eingesetzt und habe so zum einen die Nachbetreuung von Neugeborenen gemacht oder Kinder mit Atemnot bei einer starken Erkältung erlebt, die ein bisschen inhalieren mussten und schon war alles wieder gut. Alles in allem wirklich gut machbar, es war immer etwas los und selten langweilig, ich konnte mich mit den Kindern beschäftigen und mir wurde jedoch keinesfalls zu viel Verantwortung übertragen. Die Atmosphäre zwischen den Kolleg:innen sehr familiär, auch der Umgang mit den Patient:innen sehr persönlich. Sicherlich erschien mir die Organisation zum Teil etwas umständlich und klein gedacht, aber im Grunde auch wieder sehr sympathisch und doch im starken Gegensatz zu der gewinnorientierten Schinderei und Effizienzbemühtheit, die ich teilweise aus deutschen Kliniken kenne.

Neben der Arbeit habe ich am Anfang noch Ausflüge in die Höhe mit viel Schnee genossen oder ausgedehnte Fahrradtouren bei Sonnenschein und 20 Grad in der Ebene, für eine Norddeutsche im März doch etwas sehr besonderes. Ansonsten kann ich die dortige Boulderhalle empfehlen und ein Besuch der Therme lohnt sich ebenfalls. Direkt in der Stadt und am Hausberg laden Spazierwege zum Flanieren und auch wenn ich nicht bis dorthin gekommen bin, ein Besuch des Schlosses mit Park, in dem schon Kaiserin Sissi Kur gemacht hat, wäre wohl eigentlich obligatorisch. Wenn ich schon in der Gegend bin, dachte ich mir, kann ich doch gleich eine Freundin von mir in Venedig besuchen – für ein Wochenende lohnt sich dies allemal.

Ich bin unendlich froh, diese Erfahrung gemacht zu haben und kann jeden nur dazu ermutigen, sich zu trauen! Meran mag als historischer Kurort mit hoher Touristenaffinität ein teures Pflaster sein, zum Glück war dies jedoch mit dem Stipendium gut zu stemmen. Die Stadt wird sich für feierlustige, gesellige Menschen eher weniger eignen, abends ist da eher weniger los. Für Genießer und Schätzer von Kulinarischen Freuden und frischer Bergluft auf jeden Fall. Wer gerne Ski fährt oder Trailrunning macht, ist hier bestens aufgebhoben– da lockt einen jede Bergspitze.

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